Rückblick

9.07.2020: Ausstellung Horst Leyendecker, "Jahreszeiten"

Starke Farben und zarte Töne im Kunstfachwerk N6: Bis zum 20. September sind in der Galerie am Grötzinger Rathausplatz Bilder von Horst Leyendecker zu sehen. Anlässlich des 85. Geburtstags des Malers war die Ausstellung  bereits für März 2020 geplant, musste aber wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Nun ist sie, mit einem Vierteljahr Verspätung, am vergangenen Donnerstag, 9. Juli, in der Grötzinger Begegnungsstätte eröffnet worden.
Eine schwungvolle Interpretation  des „Frühlings“ aus Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, am Klavier lebendig und einfühlsam interpretiert von Laís Frey, stimmte auf das Thema der Ausstellung ein.
Siegfried König, Erster Vorsitzender des FBM, begrüßte nach diesem gelungenen musikalischen Auftakt die Gäste der Vernissage. Er drückte seine Freude darüber aus, dass jetzt wieder Ausstellungen möglich sind, wenn auch mit Corona-bedingten Auflagen. Mit dem Satz Caspar David Friedrichs „Ich muss mich dem hingeben, was mich umgibt, mich vereinigen mit den Wolken, Felsen, um das zu sein, was ich bin.“ charakterisierte er das künstlerische Selbstverständnis Leyendeckers. Zum 85. Geburtstag wünschte König dem Maler, der seit vielen Jahren Mitglied des Freundeskreises ist, alles Gute und eine nicht nachlassende Schaffenskraft.  
Bürgermeister Dr. Albert Käuflein sagte in seinem Grußwort, die Ausstellung „Jahreszeiten“ sei zu seinem Leidwesen eines der ersten „Opfer von Covid 19“ gewesen - um so mehr freue er sich, dass es „wieder losgeht“ und das Kulturleben Karlsruhes wenigstens teilweise wieder in Fahrt komme.
Ortsvorsteherin Karen Eßrich ging auf Leyendeckers  Verbindung zu Grötzingen ein, wo er seit über 40 Jahren lebt und dem er an vielen Stellen seinen Stempel als Restaurator aufgedrückt hat: die Säule im Bürgersaal, die Fresken in der evangelischen Kirche, die Fassade des Schlosses Augustenburg und die Ausmalung der Friedhofskapelle. Im Ort sei er – stets freundlich und gesprächsbereit – oft präsent und engagiere sich nach wie vor für wichtige Projekte, beispielsweise den Umbau von Schloss Augustenburg.
Die Pianistin Laís Frey leitete mit der sensibel gespielten Komposition „River flows in you“ des koreanischen Musikers Yiruma über zur Laudatio, gehalten von Dr. Chris Gerbing, freie Kuratorin und Professorin am KIT.
Seine Arbeiten rückten Leyendecker in die Nähe der Impressionisten, so die Kunsthistorikerin; ihm wie ihnen sei es daran gelegen, den Eindruck beispielsweise eines heißen Sommertages, eines Mohnfeldes, einer Waldlichtung einzufangen. Auch in Beziehung  zur Musik könne man Leyendeckers Arbeiten setzen: wie unterschiedliche Stimmungen in die Klänge unterschiedlicher Farbigkeit seiner Bilder übersetzt werden, sei vergleichbar beispielsweise mit Kompositionen wie Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ oder Haydns „Die Jahreszeiten“. Seine Bilder stellten innerhalb unserer schnelllebigen, globalisierten Welt eine Einladung zum Innehalten dar, zur Betrachtung der vielfältigen Schönheit der Natur.
Mit Musik setzte Laís Frey den Schlusspunkt: Die Klänge eines temperamentvollen brasilianischen Tangos begleiteten das Publikum in den warmen Sommerabend hinaus auf den Rathausplatz zum Eingang der Ausstellung.

Text: Jutta Leyendecker

Fotos: Franca Leyendecker




11.10.2019 Eröffnungsausstellung: Natascha Brändli und Nicole Bellaire

„Wir sind so frei“ - Galerie Kunstfachwerk N6 eröffnet

Endlich ist es soweit: Seit Freitag, 11. Oktober 2019, verfügt Grötzingen - mitten im historischen Zentrum am Rathausplatz - über wunderschöne Räume für die Präsentation von Kunst. Galerieräume in erster Linie – aber auch offen für andere Kunstsparten wie Literatur, Theater, Kleinkunst. „Kunstfachwerk N6“ ist der Name des Hauses in der Niddastraße 6, abgeleitet von seiner Adresse und der markanten Fachwerkfassade.
In einer Gemeinschaftsaktion des Freundeskreises Badisches Malerdorf (FBM)  und der Ortsverwaltung ist ein neuer Mittelpunkt des kulturellen Lebens von Grötzingen entstanden: Dem Besucher öffnen sich im Erdgeschoss mehrere ineinander übergehende Räume, hell durch die vielen Fenster und die vorherrschende Farbe Weiß. Hier kommen die Ausstellungsstücke wunderbar zur Geltung – was bei dieser ersten Ausstellung der Galerie mit Arbeiten von Natascha Brändli und Nicole Bellaire (bis 15.12.19) gleich besonders deutlich wird.
„Wir sind so frei“ ist der Titel – man assoziiert Freiheit von Konventionen, von traditionellen Techniken, von bestimmten Inhalten. Und genau das ist auch die Absicht der beiden Künstlerinnen, die sich ihrem Motiv auf ungewöhnliche Art nähern. So findet Nicole Bellaire ihre Motive am Wegesrand in der Schönheit wild wuchernder Kräuter, Blüten und Gräser und zeigt deren Reiz in Holzschnitten und Zeichnungen. Dabei entwickelt sie ihren eigenen Naturkosmos, der zwischen realistischer Abbildung und Abstraktion changiert.
In den Arbeiten von Natascha Brändli dominiert das Thema der Linie, und zwar sowohl auf dem Papier als auch in ihren dreidimensionalen Zeichnungen, die mithilfe einer innovativen Technik entstehen. An Textiles erinnern die aus Fäden aus dem 3D-Drucker „gezeichneten“ Arbeiten, wie ein Gespinst hängen sie im Raum. Ihre besondere Arbeitsweise hat Natascha Brändli aus dem 3D-Drucker abgeleitet und für ihre künstlerischen Zwecke entwickelt. Dieses Jahr ist sie mit dem Albert-Haueisen-Preis des Landkreises Germersheim ausgezeichnet worden.
Beide Künstlerinnen kommen aus der Pfalz, die jetzt begonnene Kooperation zwischen dem Zehnthaus Jockgrim und dem FBM lässt sich vielversprechend an; nächstes Jahr wird Brigitte Nowatzke-Kraft als Grötzinger „Gegenbesuch“ im Zehnthaus ausstellen.
Bei der Eröffnung des Kunstfachwerks N6 und der Ausstellung „Wir sind so frei“ am Freitag zeigten sich die verantwortlichen „Macher“ ebenso wie die zahlreich erschienenen Besucher glücklich über die neue Errungens