Bruno A. Schüßler

 

 Nachruf auf einen Künstler und waschechten Grötzinger

Kreatives Multitalent starb kurz vor seinem 95. Geburtstag


Wenn ich an Bruno A. Schüßler denke, wird mir warm ums Herz. Sein Lächeln hatte stets etwas Gütiges und in seinen Augen blitzte altersunabhängig ein kleiner Schelm. Am 30. April 1925 erblickte er das Licht der Welt – am 30. März d.J. verstarb er und mit ihm hat einer der Guten diesen Planeten verlassen. In den letzten Jahren ist es still um ihn geworden, seine letzte große Ausstellung hatte er 2012 in den Räumlichkeiten der Heimatfreunde Grötzingen in der Schultheiß-Kiefer-Straße 6.

Studieren zu Kriegszeiten

Bruno A. Schüßler – das „A.“ in seinem Namenszug stand im Übrigen für Artur – war ein echter Grötzinger. „Immer hier polizeilich gemeldet“, sagte er lachend, er lebte und malte in der Grötzinger Rummstraße. Sein Studium zum Bauingenieur, das er 1942 begann, hat er selbst finanziert. Sein Vater verstarb im Krieg und die Mutter hat mit einem Pfenniggeschäft die Familie, zu der noch eine Schwester gehörte, über Wasser gehalten. 1948 heiratete Schüßler, seine Ehefrau Melitta war ebenfalls gebürtige Grötzingerin, zwei Kinder, ein Sohn und eine Tochter, gingen aus der Ehe hervor.

Bruno A. Schüßler war ein äußerst vielseitiger Mensch. „Meine beiden Gehirnhälften sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. Die eine ist für den Techniker zuständig, die andere für den Maler“, so Schüßler über sich selbst. Dass die beiden Gehirnhälften wiederum vor Kreativität strotzen, beweisen seine vielen, den Oberbegriffen Technik und Kunst zugeordneten Aktivitäten. Alle im und um das schmucke Eigenheim herum anfallenden Reparaturen übernahm Bruno Schüßler selbst. Und was sein künstlerisches Schaffen anbelangt reicht dieses von Linolschnitten, Aquarell- und Ölbildern über Pinselskizzen bis hin zu Tuschezeichnungen. Selbst Arbeiten mit dem Material Holz stellten für den künstlerischen Tausendsassa eine Herausforderung dar.

Nacheinander die Dinge richtig tun

Im reifen Alter von rund 60 Jahren begann Schüßler ernsthaft mit der Malerei und nach seiner Pensionierung hat er sich richtiggehend auf die Pinsel gestürzt. Anfänglich malte er Blumen, Landschaften und Stillleben, nach ca. fünf Jahren widmete er sich „der Transparenz der Dinge" – ein wichtiger Weg in seiner Malerei. „In der Malkunst findet man die Seele des Seins in der Befreiung vom Abbild, wenn man nicht abbilden, sondern sichtbar machen möchte“, erklärte er seine Sichtweise.

Seine Bilder sind malerisch sichtbar gemachte Erinnerungen, träumerisch Getrenntes zusammengefügt, Einzelheiten aus dem Zusammenhang genommen, Überliefertes schemenhaft eingefügt, Vergangenes aus der Vergessenheit geholt. Weil für Schüßler in Allem das Sein steckte, auch im Unsichtbaren, weil alles ineinander verwoben ist, weil es kein Davor oder Dahinter, kein Darunter oder Darüber und keine Wertigkeit gibt, hat er sich die Möglichkeit der Transparenz einfallen lassen. „Es bietet mir die Chance des Dahinterschauens und macht mich im Bildausdruck freier.“

Nicht wann und wo, sondern wie

Ganz ungegenständliche Malerei mochte er genauso wenig, wie Bilder ohne Titel. Seine Tendenz galt der abstrahiert gegenständlichen Malerei. „Mit meinen Bildern möchte ich orientiert an reellen Dingen und auf das Wesentliche reduziert, meine Eindrücke, Ideen und Gedanken mit Phantasie und Farbe ausdrücken. Entscheidend ist für mich deshalb weniger was ich male, sondern wie ich es male und wie ich meine Gedanken durch Bilder sichtbar machen kann.“

Die Malerei sollte Freude machen, dem Betrachter und dem Künstler selbst, schilderte Bruno A. Schüßler einst einen seiner Leitgedanken. Weil es nichts gibt, was ihn nicht interessiert, probierte er sich auch in der figürlichen Malerei und nahm für Aktzeichnungen Kurse bei dem Grötzinger Maler Karl Seckinger. Eine Periode seines Schaffens widmete er den Radierungen, aber aus Mangel einer eigenen Presse vertiefte er diesen künstlerischen Ausflug nicht weiter, wobei er im Linol- und Holzschnitt ansprechende Werke gestaltete.

Halbe Sachen gibt es nicht

Von Anfang an, seit 1984, war Bruno A. Schüßler Mitglied der Grötzinger Malergruppe. An vielen Ausstellungen hat er teilgenommen, bei vielen Einzel- und Gruppenausstellungen, national und international, fanden seine Werke darüber hinaus Interesse und Anklang. Malen wollte Schüßler, solange es geht. „Malen hält fit, inspiriert die Sinne und öffnet Horizonte“, sagte er selbst, seine Frau war zu Lebzeiten seine Jury. Dass Bruno A. Schüßler das hohe Alter von rund 95 Jahren erreichte, kommt nicht von ungefähr. Einst durfte ich Zeugin seiner sportlichen Aktivitäten an der hauseignen Treppe werden, die jeden Morgen zur Frühgymnastik herhalten musste. Zu seinem 80. Geburtstag hat er sich schließlich einen PC geleistet.

„Es gibt für mich zwei Wege zur Gestaltung meiner Bilder. Einer ist, nicht das Sichtbare zu reproduzieren, sondern meine Eindrücke, Erlebnisse bzw. Ideen malerisch zu gestalten. Meine Bilder sollen nicht so schön oder gar noch schöner als die Natur sein, sondern sollen auf die uns umgebende Schönheit aufmerksam machen.

Der andere Weg ist intuitiv bzw. phantastisch. Ich möchte beim Malen träumen, mit Farbe und Form spielen, wobei das Räumliche nie ganz verloren gehen soll. Durch diese Malerei kann ich noch stärker in schöpferische Tätigkeit versinken und Bilder gestalten, die sich zumTeil weit von unserer Wirklichkeit entfernen.“

Adieu

„Schau, die Welt ist immer noch schön“, war ein weiteres Leitmotiv von Schüßler. Jetzt, nach seinem Tod, ist sie allerdings ein Stückchen ärmer.


Text und Foto: Eva-Marie Ruf


 

 
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