Gesprächsabende 19. März, 2. u. 9. April 2014

"Die Grötzinger Malerinnen und Maler - Geschichte und Geschichten"

 Geschichten um die Grötzinger Malerkolonie gab es im Atelierhaus  am Schloss Augustenburg zu hören, und zwar vor allem solche, die nicht im Lexikon stehen. Zum Beispiel von dem Malerkind Gunhild Biese, das mehr als einmal von den größeren Kindern der anderen Malerfamilien in den Ziehbrunnen auf dem Schlosshof gesteckt wurde, weil sie die Buben beim Spielen gestört hatte. Der Brunnen – er steht übrigens heute vor dem Grötzinger Rathaus - war zwar fast zugeschüttet, aber sein Rand blieb für die kleine Guni doch unüberwindlich.
20140426-AC-GLA 037_Fotor-2.jpgAls Erwachsene hat Gunhild Appuhn-Biese die Erinnerungen an ihre Kindheit in der Wohngemeinschaft mit den Malerfamilien Fikentscher, Kampmann und Hein im Schloss Augustenburg niedergeschrieben. Ihr verdanken wir viele Einzelheiten über „die Burg“ und seine Bewohner.
Sie berichtet unter anderem, dass in der großen Halle der Biese’schen Wohnung viele Feste gefeiert wurden, meist mit einem Motto, dem entsprechend die Gäste sich zu kleiden und zu benehmen hatten. Beim Thema „Schule“ sei Franz Hein als freches Kind im Matrosenanzug gekommen und seine Frau Ida als große Schwester, die den „Buben“ ständig schimpfen musste. Karl Bieses Frau Ellen war als Schulputzfrau erschienen.
Solche und andere, meist vergnügliche Geschichten erzählte und las Jutta Leyendecker im ehemaligen Fikentscher-Atelierhaus in der Kirchstraße. Sie wohnt seit 37 Jahren in dem Haus und hat einiges an Material zu seiner Geschichte, der des benachbarten Schlosses und des Kallmorgen’schen Hauses in unmittelbarer Nachbarschaft zusammengetragen. Ihre Gäste saßen um einen Tisch unter dem großen Nordfenster und konnten das original erhaltene, von Otto Fikentscher errichtete Jugendstil-Atelier ebenso betrachten wie Fotos von seinem Erbauer, seiner Familie und seinen Malerfreunden. Und nicht zuletzt die Bilder von Horst Leyendecker, der als Maler das Atelier weiter nutzt.
20140426-AC-GLA 038_Fotor-2.jpgDie Atmosphäre in dem weiten Raum mit der verglasten Decke, der Empore, den hohen Wandschränken und den vielen Bildern an den Wänden war sehr gemütlich und anregend für alle Gäste. Die anschaulichen und humorvollen Anekdoten über die einstigen Bewohner des Hauses und ihrer Bekannten und Freunde ergänzte Jutta Leyendecker mit Informationen aus Geschichte und Kunstgeschichte, sodass ein lebendiges Bild der Malerkolonie und ihrer Lebensgewohnheiten entstand.
Einige Gäste lieferten ebenfalls Beiträge zu der Erzählrunde: Erinnerungen der beiden Frauen, die als Kinder im Schloss gewohnt und gespielt hatten, der ehemaligen Geschäftsfrau, die Jenny und Gerta Fikentscher zu ihren Kunden zählte und oft im Atelier besucht hat.  

 

 

 
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